Vacation
La lumière...

So, hier bin ich wieder. Gestern Nacht gegen Eins total fertig, aber überglücklich zuhause angekommen.

Zu allererst: Es war unglaublich, wieder in Paris zu sein. Man bedenke, dass ich das letzte Mal im Januar 2007 dort war und seitdem voller Sehnsucht war. Als ich endlich dort war, wusste ich nicht, wohin mit mir, ich wollte hierhin, dorthin, ich wäre fast geplatzt vor Freude. Zu allererst hab ich wie gesagt meine Sachen ins Hotel gebracht und es war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte: Direkt an den Treppen aufwärts Richtung Sacre Coeur, an einer belebten Straße mit Gemüseständen, Cafés, Künstlern, dem Pariser Leben... Und drei Ecken vom Café Les Deux Moulins, wohin ich gleich als Erstes "gepilgert" bin. Das beste Frühstück der Welt: Ein Frappe Vanilla und ein Croissant. Ein richtiges warmes, knuspriges Croissant, nicht diese deutschen lapprigen, butterigen Dinger. Da saß ich also an einem Tischchen, hab das Amélie-Filmposter angeschaut und in meinem Frappe gerührt. So war das und das allein hat mich schon glücklich gemacht.

Das Wetter war ein einziges Chaos. Mal war der Himmel endlos blau, mal schüttete es in Strömen, es wechselte wirklich stündlich und der Wind war so extrem, dass alles Mögliche durch die Gegend geschmettert wurde. Versailles musste ich auf den nächsten Tag verschieben, das wäre zu matschig geworden. Also fuhr ich mit der Metro Richtung Opéra und bin in die Galéries Lafayette. (Und da bin ich wirklich monogam, das schafft kein Berlin, sowas nachzumachen, allein schon diese Kuppel...).  Mein Schirm verabschiedete sich auf den Straßen in der Innenstadt, broch auseinander und ein Stoffteil flog in hohem Bogen über die Häuser davon. Sah toll aus. Also nen neuen gekauft. 18 € für nen schwarzen Knirps, Accessorize. Ihr habt echt den Arsch offen, aber was Günstigeres hab ich nirgendwo gefunden.  Bei Sephora hab ich noch ein paar Ostergeschenke gekauft (Frankreich ohne Sephora geht nicht. Fahr ja auch oft genug nach Mulhouse, um meine leergegangenen Sachen wieder neu zu holen, aber der Pariser ist natürlich ein Riesenparadies, in dem ich Stunden bleiben könnte), dann bin ich zu den Jardin des Tuileries weitergefahren, hab mir bei Starbucks nen Frappuccino geholt und bin bis zur Champs Elysées Richtung Triumphbogen runtergelaufen. Wunderschön am Abend.

Man beachte, dass ich den Eiffelturm bisher an diesem Tag nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen hatte (das ist zwischen den hohen Altbauhäusern und den Alleen gar nicht so verwunderlich), nicht mal die Spitze davon. Das heißt, meine Aufregung war um so größer, den ganzen Tag lang schon. Es ist irgendwie komisch, man ist in Paris und trotzdem fehlt noch das gewisse Etwas, um es wirklich zu begreifen. Das sollte auch dieses Mal wieder das Highlight werden, erstens im wahrsten Sinne des Wortes und zweitens, weil dieses Gefühl einfach unfassbar ist.... also weiter geht's:

Gegen Abend war ich im Hard Rock Café (kann man sich in jeder Großstadt aufs Essen verlassen), wo ich bis ca. 21 Uhr lesend und essend saß, innere Spannung ansteigend. Draußen war es bereits dunkel. Ich sah alle zwei Minuten auf die Uhr, ich war so aufgeregt und hibbelig wie lange nicht mehr. Dann machte ich mich auf den Weg zur Metrostation Trocadéro.

Kurz vor elf, Ankunft Trocadéro. Allein schon das Schild der Metrostation hat mich grinsen lassen, wie oft hab ich dieses Wort in den letzten Wochen geschrieben und gesagt?! Ich glaub, ich hatte jeden gernevt damit. Egal, es war soweit. iPod raus, Musik an. DAS Lied, das einfach dazugehört, wie damals beim ersten Mal... Ich die Treppen der Metro hochgelaufen, relativ gelassen, aber Herzklopfen. Die Ruhe vor dem Sturm. Trocadéro - das war das, warum ich nach Paris wollte. Das ist das, was es mir vor langer Zeit angetan hatte. So kurz davor nach so langer Wartezeit ist es dann logisch, dass mein Pulsschlag hochgeht, man macht sich diese Aufregung ja irgendwie selbst, aber es ist auch einfach schön, sich so auf etwas zu freuen. Als ich aus der Station trat, war es eisig kalt, ich zog Handschuhe an, fror trotzdem. Es windete immer noch extrem. Ich lief also am Palais des Chaillot entlang, bis ich links auf den Aussichtsplatz abbog. Schaute aber nicht auf, sondern lief ein Stück geradeaus, während ich versuchte, den Schirm in meine Tasche zu packen, das brachte sowieso nichts bei dem Wind. Ich also die richtige Musik im Ohr, dann schließlich endlich der Blick nach vorne - Eiffelturm direkt geradeaus vor mir. Ich: stehengeblieben. Auf einen Schlag Gänsehaut am ganzen Körper.  Das Lied noch dazu. Das war beinahe zuviel für mich, das war ein Gefühl aus Zittern, Freude, Hitze, Kälte, Aufregung, alles zusammen. Unerwartete Gefühle. Der Anblick hat mich sowas von überwältigt. So riesig, und doch noch so weit entfernt, so fest auf dem Boden, so ruhig und doch pulsierend, diese anmutige Aura, ich kann es einfach nicht beschreiben. Dieses Ding hat eine ganz andere Wirkung auf mich als eine Freiheitsstatue, ein Colosseum oder ein Big Ben... ich weiß nicht, warum.... man wird melancholisch. Diejenigen, die das selbst sehen, werden dann verstehen, wie ich das meine.

La lumière...

Wisst ihr, wenn man sich monatelang dieses Bild im Desktop oder auf Postkarten anschaut, wird es irgendwann so normal, die Perspektive, alles, man kennt es einfach, wenn das Bild zehnfach im Zimmer hängt. Aber wenn man den beleuchteten, glitzernden Eiffelturm dann live in dieser überdimensionalen 300-m-Größe vor sich hat, die Automassen unten vorbeiziehen, das sich drehende Licht auf der Spitze, die Fontänen, der Wind, das alles ist Realität - einfach der gesamte Anblick - das ist so viel mehr, als man es sich auf Bildern vorstellen kann und was Bilder ausdrücken können. Nein, man kann es sich nicht vorstellen, man muss das selbst erleben. Ich hatte vergessen, wie überwältigend und unglaublich dieses Bild vor Augen sein konnte. Ich war sowas von dahin. Ich bin die Treppen nach vorne heruntergelaufen, hab die Kälte nicht mehr gespürt, bin Ewigkeiten da an der Mauer gestanden. Ich weiß nicht, wie lange. Auch, wenn andere das oft nicht verstehen, verstehen sie vielleicht, wie es ist, wenn sich ein Wunsch erfüllt, den man tausendfach vor dem inneren Auge hatte: Das war das, was ich wollte und worauf ich monatelang gewartet hatte, einfach eine Sehnsucht, die sich in den letzten Wochen fast überschlagen hatte. So dazustehen, das zu genießen, einfach innehalten und realisieren, dass man endlich angekommen ist, wirklich da war. So fasziniert, so berührt, dass mich die Tränen auf meinen Wangen auch nicht mehr wunderten. Und ich war mir wieder so zweifellos sicher, dass das der schönste Platz auf Erden ist. Wenn ich könnte, würde ich jeden dahin mitnehmen, um ihm zu zeigen, wie unfassbar schön es dort ist. Das nächste Mal packe ich Simone oder Sarah ein. Das ist ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann. Allein deshalb hatte sich die Reise gelohnt, ganz alleine schon deshalb.

Am nächsten Tag war ich wie gesagt auf Versailles, hab Marie Antoinettes Schlafzimmer und andere Räumlichkeiten begutachtet (sehr, sehr schön, wenn man davor ein Tagebuch von ihr als Buch gelesen hat und alles nachvollziehen kann), und am Invalidendom, wo ich, wie vor zwei Jahren mit Allegra schon, wieder ein paar Bilder gemacht habe. Die zwei Tage haben auch gereicht, um mein Französisch wieder aufzufrischen, ich bin wieder gut drin und hab recht fließend gesprochen.

Die Abreise aus Paris war nicht leicht, aber in Ordnung. Ich war glücklich und erfüllt, hab alles gesehen, alles getan, was ich wollte, bin wieder ausgeglichener. Ich hab ziemlich lange auf die Stadt zurückgeblickt. Und mir geschworen, dass diesmal kein Jahr vergehen wird, bis ich wieder zurück bin.

Romy -x-

12.3.08 13:06
 


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